Was ist Tiefenpsychologie? Therapie als Selbstentdeckungsreise.

Tiefenpsychologie erforscht unbewusste Einflüsse auf unser Verhalten und Gefühle, oft zurückgehend auf Konflikte in den frühen Lebensjahren. Sie zielt darauf ab, durch Einzel- oder Gruppentherapie psychische Beschwerden zu lindern und persönliche Entwicklung zu fördern.

Inhalt

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TfP) oder kurz Tiefenpsychologie (TP)

Internationaler Name: psychodynamic psychotherapy

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht davon aus, dass unser Denken, Handeln und Fühlen bis hin zu körperlicher Gesundheit nicht nur unserem Willen, sondern auch unbewussten Einflüssen unterliegen. Dies sind vor allem innere Konflikte, die im Leben eines jeden Menschen vorkommen und das spätere Leben dann besonders bestimmen, wenn sie in den ersten Lebensjahren auftraten. Der Wunsch, unabhängig und selbstständig zu sein steht z.B. regelhaft mit dem gleichzeitigen Wunsch nach Bindung und Versorgung in Konflikt. Wenn ein solcher normaler Konflikt besonders heftig ist und nicht gelöst werden kann, z.B. weil er gleichzeitig mit einer schmerzhaften Trennung von einer wichtigen Bezugsperson auftritt, wird er – gewissermaßen zum Schutz der Betroffenen – verdrängt, d.h. ins Unbewusste verschoben.  

Von dort beeinflusst er aber weiterhin unser Handeln und vor allem unsere Gefühle und damit vor allem die Art und Weise, wie wir uns in Beziehungen zu unseren Mitmenschen verhalten. In einer späteren Lebensphase, z.B. in Zusammenhang mit der Trennung von einem/einer Partner*in, können diese von dem unbewussten Konflikt  bestimmten Gefühle und Verhalten dann stark belastend und auffällig für uns selber und für unsere Mitmenschen werden und sogar körperliche Erkrankungen mit verursachen. Dann sprechen wir von seelischen und körperlichen Symptomen, und wenn diese sich verfestigen, von psychischer bzw. psychosomatischer Krankheit.

Wie beim Eisberg: ein Großteil liegt zunächst im Veborgenen.

Therapie als Selbstentdeckungsreise.

Ungünstige Lebensbedingungen in den ersten Lebensjahren, erhöhen das Risiko psychischer Erkrankungen

Eine weitere Ursache für psychische Erkrankungen sieht die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in ungünstigen Lebensbedingungen in den ersten Lebensjahren wie z. B. schwerer Vernachlässigung, Gewalterfahrungen oder emotionaler Kälte. Unter solchen Lebensbedingungen können Menschen bestimmte Fähigkeiten, die für die Auseinandersetzung mit der Umwelt und für befriedigende Beziehungen  notwendig sind, nicht oder nur eingeschränkt ausbilden. Hierzu zählen z.B. Fähigkeiten, sich ein Bild von sich selbst und von anderen Menschen mit all ihren positiven und negativen Eigenschaften zu machen, stabile Beziehungen zu anderen zu leben, wozu vor allem die Fähigkeit gehört, sich in andere hineinzuversetzen, ferner die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten zu steuern und mit anderen auch emotional zu kommunizieren. Je nachdem, wie stark diese Fähigkeiten beeinträchtigt sind, sprechen wir von einer leichten bis schweren psychischen Erkrankung.

Diese unbewussten Konflikte und beeinträchtigten Fähigkeiten bestimmen natürlich auch die Beziehung zum/zur Psychotherapeut*in. In einer Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie hilft Ihnen der/die Psychotherapeut*in jedoch, die unbewussten Hintergründe und Auslöser Ihrer Beschwerden herauszufinden. Zugleich unterstützt er/sie Sie dabei, die oben genannten beeinträchtigten Fähigkeiten zu verbessern, und Ihnen auf diese Weise eine gesündere und weniger belastende Lebensgestaltung zu ermöglichen. Das hierzu notwendige hohe Maß von Offenheit und Vertrauen seitens der Patient*innen wird durch die unterstützende, gelegentlich aber auch konfrontierende Gesprächsführung der Psychotherapeut*innen ermöglicht. Diese gemeinsame Arbeit in einer therapeutischen Beziehung benötigt Zeit und kann immer wieder auch schwierig und anstrengend sein.

Quelle: Deutsche Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie e.V.

Ablauf einer tiefenpsychologischen Behandlung

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in Einzelgesprächen, in der Regel 50 Minuten 1-2 mal pro Woche, oder in einer Gruppe statt. Eine Therapie kann zwischen 3 Monaten und 2 Jahren dauern.

Verfügbarkeit von Therapieplätzen und Versicherungsstatus

Sind Sie Selbstzahler*in, privatversichert oder Beihilfe berechtigt, ist die Beantragung oft relativ einfach und kann zeitnah geschehen.

Sind Sie gesetzlich krankenversichert (GKV), kann eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen durch das sogenannte Kostenerstattungsverfahren funktionieren.

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